Samstag, 28. Mai 2016

Geschichte des Strickens - oder seit wann hängt die Menschheit an der Nadel?!


Ich bin eine leidenschaftliche Strickerin und während ich meditativ eine Masche nach der Anderen stricke, habe ich immer viel Zeit zum Nachdenken.
Letztens dachte ich darüber nach, wie lange wohl die Menschheit schon strickt. Und schon war ich am recherchieren, aber die Geschichte des Strickens steckt voller Rätsel,
denn man kann es nicht genau datieren. Wolle ist ein sehr schnell vergängliches Material und wird deshalb kaum bei Ausgrabungen gefunden. 

©David Jackson
Die Geschichte des Strickens begann wahrscheinlich in Vorderasien. In Syrien fand man bei Ausgrabungen Überreste von Strickarbeiten, die aus dem 2.-3. Jahrhundert stammen.

In Ägypten wurden Socken aus dem 4.-6. Jahrhundert gefunden. Zwischen dem großen Zeh und dem zweiten Zeh befindet sich eine Lücke, damit die Ägypter ihre Zehensandalen tragen konnten.



Aber auch in Europa wurde gestrickt. In Thüringen wurden in einem Frauengrab zwei knöcherne Stricknadeln gefunden, die aus dem 3. Jahrhundert nach Christi stammen. In einem anderen Grab fand man eiserne Stricknadeln, die auf das 5. Jahrhundert datiert wurden. Da immer zwei Stricknadeln gefunden wurden, geht man davon aus, dass früher nur in der 2-Nadel-Technik gestrickt wurde. So wurden Socken in zwei Teilen gestrickt und dann zusammengenäht. Heute strickt man Socken mit 5 Nadeln rund, ohne dass sie am Ende zusammengenäht werden müssen.


In Deutschland ist als erster Beleg für die Kenntnis des Handstrickens ist eine Darstellung von Meister Bertram. Ein Altarbild aus dem 14. Jahrhunderts. Auf dem Bildnis strickt Maria für das Jesuskind ein Kleidchen. 

Der Altar befindet sich als Kopie in der 
Buxtehuder St-Petri-Kirche, ganz in der Nähe von Hamburg. Das Original befindet sich in der Hamburger Kunsthalle.

In Europa hat die Geschichte des Strickens ab dem 14. Jahrhundert sichtbare Spuren hinterlassen. Richtig in Mode kam diese Handarbeitstechnik aber zu Beginn des 16. Jahrhunderts. 



In Paris gründete sich eine Gilde, die sich mit dem Stricken und dem Verkauf von Strickwaren beschäftigte. Interessanterweise war das Stricken anfangs eine Beschäftigung für Männer, während es später als klassische Frauenarbeit galt. 


Wie bei den Menschen in Vorderasien Tausende Jahre zuvor, ging es auch in Europa zunächst um warme Füße: Die Geschichte des Strickens begann durch die wachsende Beliebtheit der wärmenden Socken aus Wolle. 
Ein Zentrum des Strickens etablierte sich schon bald in Großbritannien. Hier wurde Wolle in großem Stil verarbeitet und dann nach ganz Europa geliefert.





Das Stricken war damals reine Männersache und organisierten sich zu sogenannten „Zünften“. Bis zu 7 Jahre musste ein junger Mann in die Lehre gehen. Davon lernte er mindestens 3 Jahre bei einem Meister und 3 Jahre war er auf Reisen, wie wir es heute von den Zimmermännern kennen.

Ab dem 16. Jahrhundert wurde in England das maschinelle Stricken eingeführt. William Lee erfand einen Strumpfstrickstuhl, der sechsmal so schnell war wie ein geübter Stricker.
Ab dem 19. Jahrhundert wurden verschiedene Strickmaschinen erfunden. In den Städten wurden dann schnell Fabriken gebaut, in denen Arbeiterinnen an den Maschinen arbeiteten. Die Industrialisierung auf allen Ebenen!

Handstrickwaren wurden dadurch unbezahlbar. Handarbeiten wurde dann an Mädchenschulen unterrichtet um sie auf das Leben als Ehefrau und Mutter vorzubereiten.



Als Freizeitbeschäftigung blieb das Stricken bis heute bestehen und wird hauptsächlich von Frauen ausgeübt. Aber die strickenden Männer sind im Vormarsch!

Ich bin gespannt ob euch der Geschichtsunterricht gefallen hat! 


Quelle der lizenzfreien Fotos und mehr Infos: nypl.org/publicdomain

Kommentare:

  1. Deinen Geschichtsbeitrag finde ich super! Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Schon irgendwie cool, Socken für "Flip Flops" zu stricken, das wäre doch was - vielleicht nicht für unterwegs aber für zu Hause ;-) Vielen Dank für diesen interessanten Einblick in die Geschichte des Strickens!
    Liebe Grüße, Kirsten

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    1. Socken für Flip Flops gibt es tatsächlich schon und sieht so gar nicht flott aus!
      Es freut mich, das dir der Geschichtsunterricht gefallen hat. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, das da bestimmt noch mehr kommt.
      Beste Grüße, Kirsten

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  2. Liebe Kirsten,

    die Frage habe ich mir auch bereits gestellt und freue mich sehr, dass du sie so ausführlich beantwortet hast. Toller Artikel!

    Sonnige Grüße ganz aus der Nähe (HH ;))

    Marlin

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    1. Darüber freue ich mich sehr, Marlin!
      Geschichte kann so spannend sein!
      Auch an dich sonnige Grüße,
      Kirsten

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