Dienstag, 22. September 2015

Wie geht´s Dir?


Bei meinem letzten Alsterspaziergang fiel mir dieser aufgeklebter Satz auf und ich habe es nur fotografiert, weil die Farbe mir so ins Auge gestochen ist und weil so   große Statements recht ungewöhnlich in meiner Umgebung sind.
Aber irgendwie ließ mir diese Frage keine Ruhe mehr und werde jetzt mal meine Gedanken dazu niederschreiben...
"Wie geht´s dir?" 

wird man doch fast täglich bei Begegnungen mit Nachbarn,  Bekannten, Freunden und Familienmitgliedern gefragt und ist die Frage eigentlich ernst gemeint oder eine Höflichkeitsfloskel?

Wenn ich diese Frage stelle, dann will ich es auch wirklich wissen wie es meinem Gegenüber geht und höre mir aufmerksam seine Antwort an.

Oftmals wenn mir die Frage gestellt wird und ich antworte, bekomme ich ein genervtes und abwendendes Gesicht als Antwort. Darum antworte ich mit der Höflichkeitsfloskel "Muss ja!".
(Grauenhaft, ich hasse diese Antwort und muss mir das unbedingt abgewöhnen!!! )
Also nicht das ihr denkt, das ich zu einem stundenlangen Monolog ansetze, denn wenn man sich unterwegs trifft, liegt in der Kürze die Würze. 

Es kommt natürlich auch darauf an ob man eine nahestehende Person trifft oder einen flüchtigen Bekannten, aber bei einem flüchtigen Bekannten frage ich auch nicht "Wie geht´s Dir?", sondern sage "Hallo"
Das finde ich als Gesprächseröffnung viel schöner! Wenn man ein Gespräch wirklich will. 
Oder sehe ich das alles zu eng?

Eine flüchtige Bekannte die in meiner Straße wohnt und man sich automatisch oft begegnet sagt immer 
"Hallo, wie geht´s? Gut, nä?" und schon ist sie wieder weg. Ich könnte mich jedes mal beömmeln. Da genügt doch ein freundliches "Hallo" und ein Kopfnicken, oder?

Vor einigen Jahren gab es mal eine Studie zu dem Thema "Höflichkeitsfloskeln", leider weiß ich nicht mehr die Quelle und darum kann ich euch keinen Link dazu anzeigen...

In der Studie wurden die Frage "Wie geht´s Dir?" mit einem freundlichen und höflichen Tonfall beantwortet 

"Ach, ich habe heute meine Oma umgebracht, danke!" oder 
"Oh, ich habe vorhin einen Hundehaufen gegessen und der war lecker!"

Es dauerte oft etliche Sekunden, bis dem Fragenden die Gesichtszüge entglitten, weil sie erst dann die Antwort wirklich kapierten, weil sie mit einer anderen Antwort gerechnet haben, nämlich eine Höflichkeitsfloskel!

Fand ich hochinteressant und würde es auch gerne mal antworten, aber ich habe mich noch nicht getraut.

Tja, es ist eben alles nur eine Floskel ob höflich oder nicht.
Beim Vorbeigehen las ich diese großen gelben Worte und mit vielen Gedanken ging ich weiter.

In Zukunft werde ich meine Begrüßung und Fragen vorher mehr überdenken und der Situation anpassen.



Wer diese Frage in Natura sehen möchte, hier die Strassenkarte...


Quelle Google Maps







Kommentare:

  1. "Muss ja" finde ich ganz schlimm. Nix muss ...

    Wenn es mir gut geht, sage ich gut. Wenn nicht, frage ich, ob ehrliche oder höfliche Antwort erwünscht ist.

    Zu den Antworten oben : Ist mir auch schon passiert. Flöte ein "Ganz ehrlich? Beschissen" in die Telefonleitung und ernte ein "das ist ja schön"als Antwort. Auf meine Rückfrage, was daran schön sei, dass es mir schlecht ginge, kam nur ein verdutzes "Häh?!?" ...
    Einen schönen Tag wünscht Dir
    Ines

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    1. Liebste Ines,
      ich bin absolut deiner Meinung!
      Deinen Vorschlag werde ich direkt beim nächsten Mal in den Hörer flöten.
      Das gefällt mir außerordentlich!
      Danke für den Tipp und auch dir einen schönen Tag,
      Kirsten

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  2. Liebe Kirsten,

    ist schon komisch wie sehr 3 "kleine" Worte einen beschäftigen können.
    Ich muss sagen, dass ich diese Worte auch nur bei den Menschen benutze, bei denen mich eine Antwort auch wirklich interessiert.
    Was man auch oft auf diese Frage als Antwort hört ist: "... und selbst?!" Was für mich soviel heißt wie: "Lass mich in Ruhe!" oder "Geht dich gar nichts an!" Wie soll da noch eine vernünftige Konversation zu Stande kommen?!
    Deine Antwort "es muss" würde mir signalisieren, dass es dir nicht so toll geht und du auf ein Nachfragen mehr davon erzählen würdest. An der Reaktion auf deine Antwort siehst du also ganz deutlich ob sich eine nette Unterhaltung entwickeln würde oder man ungehindert auf Themen wie z.B. das Wetter umschwenken sollte.

    Du siehst... über das Thema könnte man Bücher schreiben.....!
    Liebe Grüße!
    Yvonne

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    1. Liebe Yvonne,
      da hast du vollkommen Recht-man könnte zu diesem Thema Bücher schreiben-aber ich stehe mit meinen Empfindungen zum Glück nicht alleine da.
      Ich denke dieses "Wie geht's Dir?" ist uns einfach in Fleisch und Blut übergegangen und darum bin ich echt froh, das mir dieses Fotomotiv über den Weg gelaufen ist, sonst hätte ich mir wohl nicht so viele Gedanken darüber gemacht!
      Herzliche Grüße,
      Kirsten

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  3. Liebe Kirsten, das ist ein schöner Text. Mir ist tatsächlich das "Gut! Sehr gut!" in Fleisch und Blut übergegangen (arbeite im Café. da will das ja wirklich nicht jeder wissen, der fragt - Bedienung ohne emotionale Achterbahn gehört alles zum Service) und ist leider dann von der Arbeit in die Freizeit rübergeschwappt. Jetzt lächle ich einfach und frage "und selbst?", bei Leuten, die sowieso nach dem nächsten Satz gehen wollen...und ich versuche mir selbst öfter die Frage zu stellen und ehrlich zu beantworten. Dein Foto ist eine gute Erinnerung daran.

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    1. Liebe Clara!
      Ja, in der Berufswelt will wirklich keiner die Wahrheit hören und gegenüber Gästen würde ich mich auch nicht äußern wollen!
      Immer nett Lächeln!
      Und wie du sagst: Es geht in Fleisch und Blut über!
      Genau da soll man auf sich achten!
      Vielen Dank für den interessanten Kommentar und herzliche Grüße,
      Kirsten

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  4. Dazu fällt mir ein: Treffen sich zwei Hellseherinnen, sagt die eine zur anderen: "Dir gehts gut, wie gehts mir?"

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    1. Da fällt mir jetzt auch nichts zu ein, Reinhart!
      Gruß,
      Kirsten

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