Mittwoch, 1. Juli 2015

Nackt und doch angezogen! Tattoo-Ausstellung im MKG in Hamburg


 Was ist das wichtigste auf der Welt?

Menschen, Menschen, Menschen.

He aha te mea nui i tenei Ao?

He tangata, he tangata, he tangata.
Sprichwort der Maori



Im Winter verborgen, im Sommer öffentlich zur Schau getragen: Tattoos sind heute allgegenwärtig. Als kulturhistorische Konstante sind sie aber weit mehr als ein Massenphänomen und kultiges Modeaccessoire. Tattoos erzählen persönliche Geschichten, schaffen Identität und Zugehörigkeit, sollen schmücken, heilen und schützen, sie faszinieren oder stoßen ab, werden mystifiziert oder sind Teil von Trends.  

Ich lade euch zu einem Rundgang durch die Ausstellung ein...

Schon in der Eingangshalle sieht man wohl die momentan meist fotografiertesten Ausstellungsexponate vom Künstler Ralf Mitsch, der uns 6 tätowierte Menschen aus der heutigen Zeit vorstellt. Es ist dazu auch ein Buch erschienen, wo die Fotografierten ihre Beweggründe zu den Tattoos erzählen.



Betritt man die Ausstellung erwarten uns 250 Arbeiten wie Fotografien, Videos, Gemälde, Skulpturen, Holzschnitte und historische Hautpräparate. Jaja, ihr lest richtig: Hautpräparate!
Man bekommt einen Einblick in die historische Tätowierkunst und in die heutige und ihre Bedeutungen.
Unter anderem Tattoos von russischen Strafgefangenen und ihre Bedeutungen. Bis Ende des 19.Jahrhunderts war es üblich von staatlicher Seite Dieben die Buchstaben "B.O.R." (russisch Dieb) in die Haut einzubrennen. Daraus entwickelte sich ein geheimes  Erkennungszeichen für Berufsverbrecher, wie Bandenzugehörigkeit, Profession, Anzahl der Verurteilungen und  Morde etc.




Ta Moko ist in Neuseeland eine Gesichtstätowierung die Auskunft über die Familienzugehörigkeit, Vorfahren und soziale Stellung geben. Jede Gesichtspartie ist bestimmten Informationen gewidmet. Eine Tätowierung auf der Stirnmitte dürfen nur Menschen von hohem Rang tragen und Frauen dürfen lediglich nur im Kinnbereich tätowiert werden.


Selbst vor dem Kinderzimmer machen Tattoo´s keinen Halt.



Und dann stehe ich dem viel diskutierten, tätowierten und ausgestopften Schwein namens "Donata" gegenüber. 
In der Presse hatte ich schon vorab gelesen, das der Künstler Wim Delvoye durch dieses Schwein und viele andere Schweine auf die Massenware Tier kritisch aufmerksam machen will. Er "rettete" die Schweinchen und benutzte sie für sein Projekt. Dafür hat er die Schweine narkotisiert, tätowiert und nach ihrem natürlichen Ableben ausgestopft. 
Tja, die Rettung von Tieren stelle ich mir total anders vor!


Bestaunen kann man auch die vielfältigen Tätowiergeräte und Farben. Tätowierungen entstehen durch das Einstechen von Pigmenten in die zweite Hautschicht durch bearbeitete Hölzer, Dornen, Knochen, Hörner, Schildpatt, Metalle und Scherben. Eben alles was spitz und scharf ist. Zum Glück erfand im 19.Jahrhundert Samuel O´Reilly die elektrische Spulenmaschine.


hier eine Tätowiermaschine im Form eines Ankers


Eine Vielzahl von Tattoovorlagen inspirieren zu einem Motiv, was man sich für immer stechen lassen kann (also nicht vor Ort). Meine drei Tattoos habe ich mit Sorgfalt und Verbindung zu einer Person oder Ereignis ausgewählt. Denkt bitte daran, das auch zu tun. Es ist kein Modeaccessoire, sondern für das ganze Leben!!!



Und zu guter Letzt, mein Lieblingsexponat!

Der Künstler Timm Ulrichs ließ auf sein rechtes Augenlid "The End" tätowieren - der Abspann für den ultimativ letzten Film.

"Mein Leben wird von der Geburt bis zum Tod ununterbrochen gefilmt", laut Ulrichs.


Bis zum 6.September 2015 kann man die Tattoo-Ausstellung im MKG  noch besuchen und das kann ich nur empfehlen!

Eine lustige Sache habe ich noch, denn tatsächlich waren fast alle Mitglieder der europäischen Fürstenhäuser tätowiert und die Sissi (Kaiserin Elisabeth von Österreich) hatte sich 1888 ein Anker auf die Schulter in einer Hafenkneipe stechen lassen. 
Leider gab es kein Bild davon. Das hätte ich gern gesehen!






Kommentare:

  1. Liebe Kirsten, ich nehme mir schon seit Wochen vor in die Tattoo-Ausstellung zu gehen. Danke für deinen Rundgang und die schönen Fotos. Ich wusste gar nicht, dass Sissi auch ein Anker Tattoo hatte. Voll cool, ich will mir ja auch eins stechen lassen. :) Liebe Grüße Kati

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    1. Hallo Kati,
      hoffentlich lässt du dir deinen Anker NICHT in einer Hafenkneipe stechen!
      Vielen vielen Dank für deine Komplimente!
      Liebe Grüße,
      Kirsten

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  2. Danke für diesen tollen Beitrag! Habe noch gar nichts darüber gehört, obwohl ich fleißige Zeitungsleserin bin. Vielleicht schaue ich dort vorbei, wenn das Wetter umschlägt.

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    1. Auf jedem Fall nicht bei diesen Temperaturen zur Ausstellung gehen.
      Dort ist es knackig warm, Astrid
      Gruß,
      Kirsten

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  3. Liebe Kirsten,

    das ist bestimmt eine super interessante Ausstellung. Die hätte ich mir bestimmt auch angeguckt.
    Ich selbst habe keine Tattoos und werde mir auch nie eins machen lassen. Fasziniert bin ich aber trotzdem davon.
    Oft schaue ich mir im Fernsehen an, wie Tattookünstler missglückte Tattoos durch Cover-ups retten! Wahnsinn! Vor allem, wenn man mal sieht wie groß die Kluft zwischen wirklichen Künstlern und Stümpern in dem Job ist.

    Liebe Grüße
    Yvonne

    PS: Das mit den armen Schweinchen finde ich allerdings auch eher befremdlich.....

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    1. Liebe Yvonne,
      Tattoos zu haben ist schon eine ganz besondere Lebenseinstellung und wie ich schon im Artikel schrieb...das soll sehr gut überlegt sein!
      Aber ich freue mich riesig, das dir mein Post gefällt!
      Ich grüße dich herzlichst,
      Kirsten

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